Heute gibt’s wieder einmal ein paar geschichtliche Fakten aus Steyr, dieses Mal über das Lebzelterhaus. Bestimmt wisst ihr, welches Haus ich meine! Für die, die es nicht wissen: es befindet sich im Stadtteil Steyrdorf beim Roten Brunnen (oder siehe Foto unten).
Das Lebzelterhaus in Steyr, auch “Hallerhaus” genannt, gehört zu den bedeutensten spätmittelalterlichen Bürgerhäusern von Steyr. Das Haus ist sehr gut erhalten, und damit ist nicht nur die Fassade, sondern auch die innere Bausubstanz gemeint. Seit vielen Generationen wurde dort das Lebzelter- und Wachszieherhandwerk ausgeübt. Die Haupterzeugnisse waren Lebzelten aus Honigteig, weiße und gelbe Wachskerzen und starker, süßer Met, der beliebte Honigwein.
In Steyr ist das Handwerk der Lebzelter seit dem 16. Jh. nachweisbar. Jeder Meister durfte nur einen Lehrling haben, dessen Lehrzeit vier Jahre dauerte. Den Großteil von Wachs und Honig bezogen sie aus Polen und Russland, was nicht verbraucht wurde, wurde oft nach Italien weiterverkauft. Die Lebzelter waren aber auch richtige Künstler – aus Birnholz stellten Sie Model her, die für den Guß von Backwerk und für Wachsfiguren verwendet wurden. In Steyr arbeiteten damals drei bis vier Meister, die Ihre Werkstatt in der Enge und im Steyrdorf hatten.
Heute gibt es leider keine solcher Werkstätten mehr – das Lebzelterhaus in Steyr erinnert an die damalige Zeit und beherbergt jetzt das Christkindl Café – hier bekommt man aber nach wie vor noch Lebkuchen:
Christkindlcafé
Sierninger Straße 1, 4400 Steyr
Tel.: 07252/70183, Öffnungszeiten: Di-Sa 8-20 Uhr,
So 8-13 Uhr, Mo Ruhetag
Lebzelterhaus im Steyrdorf (Fotograf: R. Hochhauser)
